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Die Besteuerung von Investmentfonds in Österreich

   
 

1. Definition von in- und ausländischen Fonds

1.1 Inländische Fonds
§ 1 Abs. 1 InvFG normiert, dass ein inländischer Investment­fonds ein aus Wertpapieren und/oder Geldmarktinstrumen­ten und/oder anderen liquiden Mitteln bestehendes Sonder­vermögen ist, das in gleiche, in Wertpapieren verkörperte Anteile zerfällt und im Miteigentum der Anteilsinhaber steht. Investmentfonds dürfen weiters nur auf Basis der Bestimmungen des Investmentfondsgesetzes gebildet werden.

In diesem Sinne lassen sich die wesentlichen Merkmale eines inländischen Kapitalanlagefonds wie folgt einteilen:

Sondervermögen
Sondervermögen bedeutet, dass die Verwaltung des Ver­mögens ausschließlich der Kapitalanlagegesellschaft, die im Namen und auf Rechung der Anteilsinhaber handelt, unterliegt. Somit ist eine Einflussnahme der Anteilsinhaber z.B. auf anlagepolitische Entscheidungen (außer bei soge­nannten Spezialfonds) ausgeschlossen.
• aus Wertpapieren, Geldmarktinstrumenten, anderen liqui­den Mitteln bestehend
• in Wertpapieren verkörperte Anteile
• im Miteigentum der Anteilsinhaber stehend, d.h., dass das im Investmentfonds befindliche Vermögen im Miteigentum der Anteilsinhaber steht und als solches im Aktienbuch unter dem Namen des Kapitalanlagefonds einzutragen ist.

1.2 Ausländische Fonds
Ausländische Investmentfonds haben im Gegensatz zu in­ländischen Investmentfonds keine Kapitalanlagegesellschaft mit Sitz in Österreich. Während nach der österreichischen Regelung Investmentfonds nur in Form von Sondervermö­gen als Miteigentumskonstruktion zulässig sind, können ausländische Investmentfonds auch in anderen Rechtsfor­men auftreten. Dazu gehören insbesondere:

• Kapitalgesellschaften, bei denen die Anteilsinhaber Aktio­näre sind (darunter fällt z.B. die Luxemburger Rechtsform „SICAV"),

• Trustkonstruktionen, bei denen das Vermögen im Treu­handeigentum der Verwaltungsgesellschaft steht.

Gemäß § 42 Abs. 1 InvFG ist aus österreichischer steu­erlicher Sicht das Vorliegen eines ausländischen Invest­mentfonds ungeachtet der Rechtsform für jedes ausländi­sche Vermögen anzunehmen, sofern dieses nach Gesetz, Satzung oder tatsächlicher Übung nach dem Grundsatz der Risikostreuung angelegt ist.

Ausländische Investmentfonds werden in vier Kategorien eingeteilt:

•  Fonds, die in Österreich steuerlich vertreten werden und die der Österreichischen Kontrollbank (OeKB) Informati­onen über Nettozinserträge auf täglicher Basis und über Ausschüttungen übermitteln (Meldefonds bzw. „blüten­weiße" Fonds, siehe Punkt 3): Sowohl Ausschüttungen als auch die ausschüttungsgleichen Erträge sind endbesteuert. Blütenweiße Fonds sind daher grundsätzlich inländi­schen Fonds gleichgestellt.

• Fonds, die in Osterreich zum öffentlichen Vertrieb zugelas­sen sind und steuerlich vertreten werden („weiße" Fonds): Die durch den steuerlichen Vertreter nachgewiesenen ausschüttungsgleichen Erträge müssen vom Investor in die Steuererklärung aufgenommen werden.

• Fonds, die in Österreich nicht zum öffentlichen Vertrieb zugelassen sind, aber steuerlich vertreten werden („graue" Fonds): Die durch den steuerlichen Vertreter nachgewiese­nen ausschüttungsgleichen Erträge müssen vom Investor in die Steuererklärung aufgenommen werden.

• Fonds, die in Österreich nicht steuerlich vertreten werden („schwarze" Fonds): Die steuerpflichtigen ausschüttungs­gleichen Erträge sind pauschal zu ermitteln und vom Investor zu veranlagen.

 

 

 

2. Möglichkeit der Endbesteuerung ausländischer Fondsanteile auf inländischem Depot

Nach neuer Rechtslage soll der Vorteil der unmittelbaren Endbesteuerung auch für Einkünfte aus ausländischen Fonds, die dem Investor nach dem 30. Juni 2005 zufließen, gelten (d.h. für alle Fonds mit Geschäfts-jahresende nach dem 28. Februar 2005, da die ausschüttungsgleichen Erträge nach österreichischem Steuerrecht den Investoren vier Monate nach Fondsgeschäftsjahresende zufließen).

Ab 1. Juli 2005 werden österreichische Banken 25 % Kapitalertragsteuer (KESt) auf Ausschüttungen und auch auf ausschüttungsgleiche Erträge, die von einem inländischen steuerlichen Vertreter nachgewiesen werden, einbehalten.

Dabei müssen folgende Voraussetzungen vom Fonds erfüllt werden:

• Der ausländische Investmentfonds hat einen österreichischen steuerlichen Vertreter ernannt, der einmal jährlich die ausschüttungsgleichen Erträge berechnet. Die ausländische Fondsgesellschaft muss der Österreichischen Kontrollbank (OeKB) bis spätestens vier Monate nach Fondsgeschäftsjahresende diese ausschüttungsgleichen Erträge übermitteln.

• Der ausländische Fonds stellt der OeKB Informationen über die Nettozinserträge (Zinserträge abzüglich Kosten plus/minus Ertragsausgleich auf Zinserträge) auf tägli­cher Basis sowie über alle getätigten Ausschüttungen zur Verfügung.

Werden diese Voraussetzungen erfüllt, so handelt es sich um einen sogenannten Meldefonds (auch „blütenweißer" Fonds), bei dem der Investor grundsätzlich gleich wie ein Investor eines inländischen Fonds besteuert wird:

•  Die Einkünfte von solchen ausländischen Fonds unterliegen der unmittelbaren Endbesteuerung mit 25 % (es ist nun nicht notwendig die ausschüttungsgleichen Erträge in die Steuererklärung aufzunehmen).

• Werden Anteilsscheine gekauft/verkauft, so werden dem Investor 25 % KESt auf die Nettozinserträge gutgeschrieben bzw. abgezogen. Weder die Pauschalbesteuerung (0,8 % pro Monat) noch eine Besteuerung auf Basis der gesamten ausschüttungsgleichen Erträge des laufenden Fondsgeschäftsjahres sind anwendbar.

• Wird von der Bank KESt auf ausschüttungsgleiche Erträge abgezogen, so entfällt die Sicherungssteuer.

3. Besteuerung von in- und ausländischen Fonds

3.1 Inländische Investmentfonds
•  Inländische Investmentfonds auf inländischem Depot

Bei inländischen Investmentfonds auf inländischem Depot sind durch den KESt-Abzug in Höhe von 25 % für Privatin­vestoren alle steuerlichen Ertragsbestandteile endbesteu­ert. Ausländische Quellensteuern auf Aktien und Anleihen werden im DBA-Ausmaß auf die österreichische KESt angerechnet. Quellensteuern, die über das DBA-Ausmaß hinaus abgezogen wurden, werden in der Regel von den Finanzbehörden der jeweiligen Länder auf Antrag rücker­stattet. Daneben kann die Besteuerung mit dem niedrigeren Durchschnittssteuersatz beantragt werden.

Die steuerlich relevanten Werte können die Investoren aus der Steuerseite des inländischen Fonds entnehmen, die dem jährlichen Rechenschaftsbericht beigelegt ist. Die Steuersei­te kann auch auf der Website der Vereinigung der öster­reichischen Investmentfondsgesellschaften (www.voeig.at) abgerufen werden.

• Inländische Investmentfonds auf ausländischem Depot

Werden inländische Investmentfonds auf ausländischem Depot gehalten, sind diese im Wege der Veranlagung mit dem Sondersteuersatz in Höhe von 25 % zu versteuern. Der Sondersteuersatz kann mangels KESt-Abzugsmöglichkeit auf ausländischem Depot nur im Veranlagungsweg geltend gemacht werden. Daneben kann die Besteuerung mit dem niedrigeren Durchschnittssteuersatz beantragt werden.

3.2 Ausländische Investmentfonds
• Ausländische Investmentfonds auf inländischem Depot

Ausschüttungen unterliegen bei ausländischen Investment­fonds auf inländischem Depot dem 25%igen KESt-Abzug.

Neben den Ausschüttungen sind auch die ausschüttungs­gleichen Erträge (alle steuerpflichtigen nicht ausgeschüt­teten Erträge) sowie die ausschüttungsgleichen Substanz­gewinne der jährlichen Besteuerung zu unterwerfen. Alle diese Erträge unterliegen dem 25%igen Sondersteuersatz. Daneben kann die Besteuerung mit dem niedrigeren Durch­schnittssteuersatz beantragt werden. Die Besteuerung der ausschüttungsgleichen Erträge erfolgt bei „weißen" Fonds durch Aufnahme in die Steuererklärung des Investors. Bei „blütenweißen" Fonds sind (so wie die Ausschüttungen) auch die ausschüttungsgleichen Erträge endbesteuert. Die­se müssen daher vom Investor nicht veranlagt werden.

Die ausschüttungsgleichen Erträge sowie die ausschüttungsgleichen Substanzgewinne werden einmal jährlich vom steuerlichen Vertreter des Fonds berechnet und können auf der Website des österreichischen Bundesministeriums für Finanzen (www.bmf.gv.at) abgerufen werden.

Werden ausschüttungsgleiche Erträge und Substanzge­winne nicht von einem steuerlichen Vertreter nachgewiesen („schwarze" Fonds), unterliegen die Investoren einer sehr unvorteilhaften Pauschalbesteuerung. In diesem Fall ist der höhere der beiden folgenden Beträge (abzüglich schon besteuerter Ausschüttungen) mit 25 % zu besteuern:
•  10 % des letzten Rücknahmewertes zum Ende des Kalender­jahres oder
•  90 % der Wertsteigerung im Kalenderjahr.

Ein Nachweis der tatsächlichen Erträge durch den Investor selbst wurde bis vor kurzem noch von den Finanzbehör­den nicht akzeptiert. Durch eine kürzlich in Kraft getretene gesetzliche Neuerung ist es Investoren jedoch nun gestattet, die ausschüttungsgleichen Erträge ihrer „schwarzen" Fonds selbst nachzuweisen, um diese Pauschalbesteuerung zu vermeiden. Dies gestaltet sich jedoch in der Praxis aufgrund der schwierigen Informationsbeschaffung und dem fehlen­den Know-how der Anleger meist problematisch.

Ausschüttungen ausländischer Fonds, die zwischen Beginn und vier Monaten nach Ende des Fondsgeschäftsjahres aus­bezahlt werden und die im betreffenden Rechnungsjahr des Fonds erwirtschaftet wurden, werden vom steuerlichen Ver­treter von den ausschüttungsgleichen Erträgen abgezogen. Ausschüttungen, die später als vier Monate nach Fondsge­schäftsjahresende ausbezahlt werden, sind steuerfrei, da sie in den ausschüttungsgleichen Erträgen enthalten sind.

Ausländische Investmentfonds auf ausländischem Depot

Mangels Möglichkeit des KESt-Abzugs unterliegen Aus­schüttungen von Investmentfondsanteilen auf ausländi­schem Depot nicht der Endbesteuerung. Der Investor muss in diesem Fall sowohl Ausschüttungen als auch ausschüt­tungsgleiche Erträge in seine Einkommensteuererklärung aufnehmen. Es erfolgt eine Besteuerung zum Sondersteuer­satz in Höhe von 25 % (bzw. bei Antragsveranlagung unter­liegen diese Erträge dem vollen Einkommensteuertarif).

3.3 Die Besteuerung bei Kauf und Verkauf der Fondsanteile

Bei unterjährigem Kauf von „weißen" oder „schwarzen" Investmentfondsanteilen unterliegt der Unterschiedsbetrag zwischen dem beim Kauf festgesetzten Rücknahmepreis und dem letzten im Fondsgeschäftsjahr festgesetzten Rück­nahmepreis der Steuerpflicht, mindestens jedoch 0,8 % des letzten Rücknahmepreises pro Behaltemonat. Bei „weißen" Fonds kann der Investor aber auch die ausschüttungsgleichen Erträge des gesamten Fondsgeschäftsjahres anset­zen oder den exakten Nachweis führen. Beim Verkauf von Investmentfondsanteilen gilt diese Regelung analog.

Werden Anteilsscheine „blütenweißweißer" Fonds gekauft /verkauft, so werden dem Investor 25 % KESt auf die Nettozinserträge gutgeschrieben bzw. abgezogen. Weder die Pauschalbesteuerung (0,8 % pro Monat) noch eine Besteuerung auf Basis der gesamten ausschüttungsgleichen Erträge des laufenden Fondsgeschäftsjahres sind anwendbar.

Weiters ist beim Verkauf auf Investorebene die einjährige Spekulationsfrist zu beachten:
Werden Fondsanteile eines Privatinvestors innerhalb eines Jahres wieder verkauft, so unterliegt der Unterschiedsbetrag zwischen den Anschaf­fungskosten und dem Veräußerungserlös der Fondsanteile (abzüglich schon besteuerter ausschüttungsgleicher Erträge) der Spekulationsbesteuerung mit dem Einkommensteuer­tarif (max. 50 %). Spekulationsverluste sind nur mit Spe­kulationsgewinnen, die im selben Jahr realisiert wurden, ausgleichsfähig und dürfen nicht in Folgejahre vorgetragen werden.

4. Sicherungssteuer

Alle inländischen Kreditinstitute, die ausländische „wei­ße" oder „schwarze" Fondsanteile in einem Kundendepot verwalten, müssen am Jahresende Sicherungssteuer in Höhe von 1,5 % (0,125 % pro angefangenem Monat) des Depotwertes einbehalten und an das Finanzamt abführen. Die Sicherungssteuer gilt als Vorauszahlung auf die Ein­kommensteuer. Die Sicherungssteuer unterbleibt unter der Voraussetzung, das der Steuerpflichtige gegenüber dem Kreditinstitut erklärt, dass er seine Einkünfte aus den Kapi­talanlagefonds in seiner Einkommensteuer berücksichtigen wird. Eine Gleichschrift dieser Erklärung wird vom Kreditinstitut an sein Wohnsitzfinanzamt weitergeleitet.

Da bei „blütenweißen" Fonds auch die ausschüttungsgleichen Erträge endbesteuert sind und eine Veranlagung des Investors daher nicht notwendig ist, wird auch keine Sicherungssteuer einbehalten.

 

Quelle: "Die österreichische Depotlösung":
PricewaterhouseCoopers


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Diese Informationen können im Einzelfall individuelle Beratung nicht ersetzen und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

 

 
 

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